ATELIER BERLIN 2011
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Ein Atelierbesuch im März 2011

Ausgehend von den Symbolträgern unserer Gesellschaft – der uns allzeit und überall anspringenden Werbung und einer zunehmend psychologisch durchleuchteten Kommunikation mittels Text und Bild – bricht Peter Vahlefeld den Kontext so vertrauter Offensichtlichkeiten mit künstlerischen Mittel auf. Deren zunächst beabsichtigte Wirkung auf den Zeitgeist und seine Themen werden ad absurdum geführt, die Kunst verleiht ihnen mit neuen Augen gesehene Wirkungsmacht. So bindet er in seiner Malerei internationale Werbeträger und plakative Schöpfungen der Hochglanzmagazine in unzähligen Schichten ein und es eröffnet sich ein weiter Reigen der Form- und vor allem Farbsprache. Die sich aufwerfenden Mal- und Collageschichten brechen im Werkprozess, überbordend quillen die Farben – eher haptisches Material denn Goethesches Physiologikum. Ihre Substanz interessiert mehr als der einzelne Pinselstrich, die Farbe kann über Untergründe auch geschüttet und mit Besen geschoben werden. Man ist versucht, von einer geradezu plastischen, bildhauerischen Herangehensweise zu sprechen. Die vermeintlich durch das Medium Malerei aufoktruierte Flächigkeit bereichert Vahlefeld in den sich überlagernden Ebenen seiner Arbeiten – sie bekommen Objektcharakter. Malerei wird Teil einer räumlichen Dramaturgie, konstruktives Sehen bedeutsam. Das uns Wohlvertraute und -bekannte ist entfesselt, muss zunehmend abstrakter geraten und kann gerade dadurch erst in seiner tieferen Ästhetik verstehbar werden. Nicht nur durch analoge Reflexionen der Farbe auf den Leinwänden, sondern auch durch Fotografie und digitale Bearbeitung seiner bereits entstandenen Gemälde hinterfragt Vahlefeld sein Werk um dann in einer objektivierten Position neue Impulse gestalterisch umzusetzen. Statt der weißen Leinwand werden neben markanten Werbeträgern so auch eigene Schöpfungen, reproduziert auf Aludibond, wieder Ausgangslage für die Malerei. Ein klangvoller Dialog entsteht und bereits vollendete Werke provozieren neue Fragestellungen und entwickeln durch reinfarbige, sich über die Vorlage sprengende Farbexzesse eigene Charakteristik. Bewusst bei der fotografischen Digitalisierung gesetzte Lichtreflexe, Verblitzungen und das Brechen der Strahlen auf den Farbgebirgen geraten in den Fotoarbeiten zu einem Malen mit Licht. Streng trennt Vahlefeld dabei zwischen den beiden Atelierstandorten: In Berlin ist Abstinenz von digitaler Bearbeitung entscheidend, eine starke Konfrontation mit den reinen Mitteln der Malerei gilt ihm als Rückzug von der Fülle des technischen Spektrums. Die Distanz zu München, wo Berliner Kontemplation in einen belebten, in allen Richtungen suchenden Vorgang wechselt, wird zu einem wichtigen Aspekt seines Schaffens.
Seit Kurzem begibt sich Vahlefeld auf neues Terrain: Grobstrukturiertes Sackleinen als Maluntergrund hält fotografisch digitalisiert Einzug in das Oeuvre. Der gänzliche Anachronismus, die moderne Digitalisierung dieses alten, ureigensten Produktes der Malerei, ist schon in dem kleinen Ausschnitt kennzeichnend für all das, was es an der Kunst Peter Vahlefelds zu entdecken, zu sehen und weiter zu verfolgen gilt.

Katharina König
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